Spurensuche auf Burg Meilenstein

Ich, meine Doppelgängerin,
sollten uns nie begegnen,
suchten heimlich einander,
zwischen den Ruinen
all unserer Leben.
Etwas würde passieren,
etwas Undenkbares –

In einer Neumondnacht
blieb ich vorm großen Spiegel
im Salon stehen,
legte beide Hände flach
auf die kühle Nicht-Welt,
lehnte meine Stirn
an das unsichtbare Silber,
und da fiel sie mir in die Arme,
um den Hals.

Wir sanken zu Boden,
Zeit und Raum um uns wirbelnd,
Mond und Sonne für einen Moment
glückselig am Horizont nebeneinander.

Seither schreie ich mir
die Seele aus dem Leib,
stumm, lächelnd.
Und alles, was davon bleibt,
sind Worte wie auf Papier geküsst.

Spuk ( eine Perspektive )

Aber ich bin kein Geist!, sage ich aufgebracht, das ist nicht mein Leben, schon lange nicht mehr!

Unsinn, winken sie ab, wir können dich doch sehen und hören. Das bist du, glaub uns ruhig!

Wenn das nicht du bist und nicht dein Leben, also, dann geh doch ins Licht, oder so?, amüsieren sie sich, mir nur noch halb zugewandt.

Ich halte inne. Sehe sie an, durch sie hindurch. Ja, warum eigentlich nicht? An der Geschichte mit dem Licht ist sicher was dran. Doch wo beginnen? Als sich mein Blick wieder schärft, sehe ich in irritierte Gesichter. Ich winke ab, drehe mich um und gehe durch die Wand hindurch ins Treppenhaus. Dachboden, denke ich mir. Dort, wo alter Spuk schläft, wird es Hinweise geben.